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Hurra, wir wählen noch!

 

Großbritannien gründete als Besatzungsmacht das Bundesland Nordrhein-Westfalen. 1947 folgten die ersten Wahlen für eine zunächst dreijährige Legislaturperiode.

 

Damals lag die Wahlbeteiligung mit 67 Prozent nicht sehr hoch, stabilisierte sich in den darauf folgenden Wahlen und pendelte sich in den 1970ern bei 72 bis 76 Prozent ein. Die Bundesrepublik und mit ihr NRW hatte sich etabliert, die Menschen hatten Vertrauen in ihre Demokratie. 1975 schoss die Wahlbeteiligung auf 86,1 Prozent. Warum? Zum einen wurde 1972 das Wahlalter auf 18 Jahre herunter gesetzt, so dass mehr „Erstwähler“ als sonst zur Wahl gingen. Hinzu kam, dass die erste Hälfte der 1970er Jahre bundespolitisch geprägt war von der Aussöhnungspolitik Willy Brandts. Dies wurde damals sehr kontrovers bis in die Familien hinein diskutiert. Während die Erzkonservativen „zeter und mordio“ schrien, profitierte Brandt bei den Jungwählern von enormen Sympathiewerten. Aber auch auf Landesebene waren diese Jahre schwierig. Die Wirtschaftswunderjahre der 1950er und 60er waren endgültig vorbei. Das Ruhrgebiet steckte mitten im Wirtschaftswandel. Viele Menschen waren unmittelbar davon betroffen und erhofften sich von der Politik Antworten. Niemals zuvor war unsere Gesellschaft politik-interessierter als damals.

 

Danach befand sich die Wahlbeteiligung im stetigen Sinkflug. Negativer Höhepunkt waren die letzten Landtagswahlen, in denen keine 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler mehr den Weg zur Wahlurne fanden. Offensichtlich betrachten viele unsere Demokratie als Selbstverständlichkeit und nicht mehr als schützenswertes Gut. Dabei ist sie uns nicht vom Himmel gefallen. Um sie haben die Gründungseltern von Grundgesetz und Landesverfassung lange gekämpft und wir genießen noch heute uneingeschränkt die Vorteile. Zugegeben, sie machen es uns nicht immer leicht, gerade dann, wenn wir aus Solidarität Opfer bringen sollen. Aber ihre Handlungsweisen basieren auf demokratischem Konsens. Sie sind transparent und sie garantieren Verlässlichkeit, der wir letztlich Wohlstand und Sicherheit verdanken.

 

Kann man das auch von denen erwarten, die in Rattenfänger-Manier versuchen, Menschen mit genauso wilden wie wirren Versprechungen einzufangen und etwas vom starken Nationalstaat erzählen? Gerade wir Deutschen sind wegen unserer Geschichte aufgefordert, dem Nationalstaat eine deutliche Abfuhr zu erteilen. Das kann aber nur dann gelingen, wenn wir ähnlich wie 1975, zahlreich von unserem Wahlrecht Gebrauch machen und uns zur Demokratie bekennen.

 

Daher gilt: Kommen Sie zur Wahl – Nicht wählen heißt rechts wählen!